"Eckhard Henscheid - Foto: Sven Heine"

Eckhard Henscheid – Foto: Sven Heine

Der “Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor” geht im Jahr 2018 an den Schriftsteller Eckhard Henscheid. Der Preis zeichnet den 1941 geborenen Autor als “Klassiker der literarischen Hochkomik” aus. Dafür steht ein ungemein vielfältiges und virtuos gestaltetes Werk, das das Schreiben zahlreicher Autoren nach ihm geprägt hat. Diese Entscheidung gab Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle jetzt bekannt.

Die Preisverleihung findet am 3. März 2018 im Kasseler Rathaus statt und beschließt das am 24. Feburar beginnende Festival des 8. Kasseler Komik-Kolloquiums, zu dem Künstler wie Gerhard Polt, Nora Gomringer, Barbara Auer oder Frank Schulz erwartet werden. Die Laudatio auf Eckhard Henscheid hält der Schriftsteller Oliver Maria Schmitt.

Begründung des Stiftungsrates

Eckhard Henscheid hat als humoristischer Autor, als virtuoser, innovativer Stilist wie als satirischer Sprach- und Kulturkritiker die deutschsprachige Gegenwartsliteratur entscheidend mitgestaltet. Schier unermesslich ist sein Formenreichtum, vielfältig und feinsinnig, scharf, aber auch zart sein Ton, mit dem er ernsthaft scherzt und grotesk provoziert. In enzyklopädischer Sammellust hat er “Dummdeutsch”, die “Kulturgeschichte der Mißverständnisse” oder ein “Jahrhundert der Obszönität” zusammengetragen und ebenso kritisch wie komisch decouvriert. Ohne seinen prägenden Einfluss, ohne die ‘Henscheidsche Wende’, die mit der “Trilogie des laufenden Schwachsinns” eingeleitet wurde, ist das Werk vieler jüngerer Autoren und Preisträger des Kasseler Literaturpreises kaum denkbar. Eckhard Henscheid ist ein Klassiker der literarischen Hochkomik.

Über Eckhard Henscheid

Eckhard Henscheid, geboren 1941 in Amberg, gab die zunächst geplante musikalische Laufbahn zugunsten eines Germanistik- und Publizistikstudiums in München auf. Mitte der sechziger Jahre startete er seine schriftstellerische Tätigkeit und arbeitete auch als Redakteur, unter anderem bei der Satirezeitschrift “Pardon”. Seit 1971 ist er freier Schriftsteller mit einer großen Vielfalt literarischer Produktionen: Romane, Kurzprosa, Satiren, Glossen, Gedichte, Rezensionen, Musik- und Kunstkritiken, Hörspiele, Essays, kulturgeschichtliche Abhandlungen und anderes mehr.

Eckhard Henscheid zählt zur Künstlergruppe der “Neuen Frankfurter Schule”, die das Komische in Literatur und Kunst neu justiert hat. 1979 war er Mitbegründer des ‘endgültigen Satiremagazins’ “Titanic”. Seinen ersten Roman “Im Kreis” veröffentlichte er 1968 unter Pseudonym im Selbstverlag. Zwischen 1973 und 1978 erschien die überaus erfolgreiche “Trilogie des laufenden Schwachsinns”. Deren Schreibweisen führt Henscheid selbst besonders auf Erzähltraditionen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurück, was noch sein Buch zu “Dostojewskis Gelächter” (2014) beglaubigt. Dieser Bezug sei besonders geeignet, so Henscheid, “die zeitgenössische Eskalation von Irritation” zu fixieren. Das Programm setzt sich in den Romanen “Dolce Madonna Bionda” (1983) und “Maria Schnee” (1988) und auch noch im ‘Infantilroman’ “auweia” (2007) fort. In das breite und virtuos entfaltete Spektrum des Autors gehören neben vielem anderen ein Opernführer (“Verdi ist der Mozart Wagners”, 1979) und enzyklopädische Sammlungen (das Wörterbuch “Dummdeutsch”, 1985 / 2009, “Alle 756 Kulturen”, 2001) oder auch die Autobiografie “Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben” (2013), deren Klappentext verkündet: “eine kleine Geschichte der Bundesrepublik, wie man sie noch nicht gelesen hat – und das Selbstporträt eines großen deutschen Autors.”

Veröffentlichungen von Eckhard Henscheid (Auswahl)

Im Verlag Zweitausendeins erschien zwischen 2003 und 2008 eine 10bändige Werkausgabe und in letzter Zeit:

  • auweia. Infantilroman. München: Kunstmann 2007.
  • Gott trifft Hüttler in Vaduz. Eine kleine Kulturgeschichte. München: Kunstmann 2008.
  • Aus der Kümmerniß. Ein gotteskundlicher Roman. Erlangen: Wildleser 2012.
  • Denkwürdigkeiten. Aus meinem Leben. Frankfurt am Main: Schöffling 2013.
  • Götter, Menschen und sieben Tiere. Richard Wagners “Ring des Nibelungen”. Ein Gestaltenreigen. Mit Bildern von F.W. Bernstein. Stuttgart: Reclam 2013.
  • Dostojewskis Gelächter. Die Entdeckung eines Großhumoristen. München: Piper 2014.

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