Karen Duve - Preisträgerin 2017

Karen Duve - Foto: Urban Zintel

Foto: Urban Zintel

Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, lebt als freie Schriftstellerin auf einem Hof in der Märkischen Schweiz, Brandenburg. Nach dem Abitur ging sie verschiedenen Tätigkeiten nach, u. a. war sie Korrektorin und fuhr 13 Jahre lang in Hamburg Taxi. Seit 1990 ist Duve freie Schriftstellerin. 1995 erschien ihre erste Erzählung Im tiefen Schnee ein stilles Heim, 1999 ihr erster Roman Regenroman. Zu ihren bekanntesten Büchern gehören Dies ist kein Liebeslied (2002) und der Roman Taxi (2008), der 2015 verfilmt wurde. Stipendienaufenthalte führten sie u. a. nach Stuttgart, New York und Hanoi.

Mit ihrem lakonischen, kraftvollen und tragikomischen Stil gestaltet Karen Duve hautnah Einblicke in die menschliche, vor allem die weibliche Psyche, in Verwerfungen zwischenmenschlicher Beziehungen oder in gesellschaftspolitische und ökologische Krisen. Das fiktionale Spektrum reicht dabei vom dokumentarischen Selbstversuch (Anständig essen, 2011), über autobiografisch angereicherten Realismus (Taxi, 2008) bis zum Fantastischen (Die entführte Prinzessin, 2005). So kommt es auch zur mitunter drastisch komischen Verarbeitung von klassischen Märchenstoffen wie im Erzählband Grrrimm (2012), für den fünf bekannte Grimm-Märchen postmodern umgedichtet wurden. Durch das Werk zieht sich die Auseinandersetzung mit der oft zerstörerischen Energie der Macht, die dann im Zentrum des jüngsten Romans steht (Macht, 2016). Gerade an diesem politisch und moralisch engagierten Buch scheiden sich die Geister der Kritik. Verrisse hat es besonders dort gegeben, wo man – anders als die Jury des Kasseler Literaturpreises – die satirische Ambivalenz, die auch den Leser fordert, nicht erkennen konnte oder wollte.

Aus der Begründung des Stiftungsrates:
„Der Preis zeichnet eine Autorin aus, deren Schreibkunst schon seit den frühen Erzählungen das Komische vielseitig, interessant und auch riskant gestaltet. Karen Duves grotesker Humor tendiert zu Schwärze und Sarkasmus und erprobt auch, wie ihr jüngster satirischer Roman ‚Macht‘, die Grenzen des Komischen. In dem ihr eigenen, mehrstimmigen Sound verhandelt sie gesellschaftlich hochbrisante Themen und entfaltet dabei ein spannungsreiches Kräftespiel, das auch zwischen ihren unterschiedlichen Büchern entsteht: Engagement verbindet sich mit Poesie, Realismus mit Fantastik, Pathos mit Trash, Heiterkeit mit Melancholie, Zorn mit Empathie, all das durchzogen vom Grundton des Tragikomischen. Damit vermag sie ihr Publikum auf faszinierende Weise zu unterhalten und zu irritieren.“

Veröffentlichungen von Karen Duve

  • Im tiefen Schnee ein stilles Heim. Eine Erzählung. Hamburg, Bremen: Achilla Presse 1995.
  • Bruno Orso fliegt ins Weltall. Eine Bildergeschichte. Illustrationen von Judith Zaugg. Augsburg: Maro 1997.
  • Lexikon berühmter Tiere. Mit Thies Völker. Frankfurt a.M.: Eichborn 1997.
  • Keine Ahnung. Erzählungen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1999.
  • Lexikon berühmter Pflanzen. Vom Adamsapfel zu den Peanuts. Mit Thies Völker. Zürich: Sanssouci 1999.
  • Regenroman. Frankfurt a.M.: Eichborn 1999.
  • Dies ist kein Liebeslied. Roman. Frankfurt a.M.: Eichborn 2002.
  • Weihnachten mit Thomas Müller. Illustrationen von Petra Kolitsch. Frankfurt a.M.: Eichborn 2003.
  • Die entführte Prinzessin. Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern. Roman. Frankfurt a.M.: Eichborn 2005.
  • Thomas Müller und der Zirkusbär. Illustrationen von Petra Kolitsch. Frankfurt a.M.: Eichborn 2006.
  • Taxi. Roman. Frankfurt a.M.: Eichborn 2008.
  • Anständig essen. Wie ich versuche, ein besserer Mensch zu werden. Ein Selbstversuch. Berlin: Galiani 2011.
  • Grrrimm. Berlin: Galiani 2012.
  • Warum die Sache schiefgeht: Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen. Essay. Berlin: Galiani 2014.
  • Macht. Roman. Berlin: Galiani 2016.

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