Ror Wolf - Preisträger 2004

Ror Wolf

Ror Wolf wurde am 29.6.1932 in Saalfeld/Thüringen geboren. Nach dem Abitur 1951 war er zwei Jahre Betonbauer. Danach siedelte er in die Bundesrepublik über, studierte Literatur, Soziologie und Philosophie in Frankfurt am Main und Hamburg. Erste Veröffentlichungen ab 1957. Von 1959 bis 1961 war er Feuilletonredakteur der Frankfurter Studentenzeitung Diskus, von 1961 bis 1963 Literatur-Redakteur beim Hessischen Rundfunk. Seit 1963 ist er freier Schriftsteller. 1976 war er Writer in Residence an der University of Warwick/England und im Wintersemester 1977/78 Gastdozent für Literatur an der Gesamthochschule Siegen. Ror Wolf Lebt in Mainz. Er ist Mitglied von P.E.N. Deutschland und der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. Ror Wolfs Bücher erscheinen seit längerer Zeit in der Frankfurter Verlagsanstalt und im Anabas-Verlag. Sein Werk zeichnet sich aus durch die andauernde Wiederkehr der Katastrophen, die Darstellung des Abgrunds hinter alltäglichen Banalitäten sowie die Verschrobenheit und Karikatur seiner Figuren. Das Groteske und Absurde zwischen Scherz, Ironie und tieferer Bedeutung als wesentliche Merkmale der Wolf’schen Komik sind bereits in seinem ersten Buch Die Fortsetzung des Berichts aus dem Jahr 1964 angelegt. Die poetische Verarbeitung vermeintlich trivialer Stoffe wie in den Fußball-Collagen und -gedichten (Das nächste Spiel ist immer das schwerste, 1982) ist für zu diesem Humor ebenso kennzeichnend wie das Tranchieren der bürgerlichen Wissenskultur in den Lexikon-Parodien (Raoul Tranchirers vielseitiger großer Ratschläger für alle Fälle der Welt, 1983). Die Methodik von Schnitt und Montage prägt auch Ror Wolfs Hörspiele und sein grafisches Werk.

In der Begründung des Stiftungsrates heißt es zur Preisvergabe: „Ror Wolf hat dem Grotesk-Komischen eine exemplarische und gültige Form verliehen. Sein literarisches und auch grafisches Werk, eine raffinierte Verbindung von Leichtigkeit, Schwermut, Spiel, Ernst, Skurrilität, Lust, Spaß und Entsetzen, gestaltet sich in ästhetischer Vollendung immer wieder neu. Es ist Ror Wolf damit unbestritten und auf einzigartige Weise gelungen, auf seine Leser so zu wirken, wie er es für sein Schaffen vorgesehen hatte: in der ganzen Breite vom Überraschen und Erschrecken über das Unterhalten und Verwirren bis zum Lachen und zum Anregen der Phantasie.“

Buchveröffentlichungen u.a.:

  • Pilzer und Pelzer. Eine Abenteuerserie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1967.
  • Mein Famili. Zwölf Moritaten und vier Collagen von Raoul Tranchirer. Gießen: Anabas 1968.
  • Danke schön. Nichts zu danken. Geschichten. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1969.
  • Die Gefährlichkeit der großen Ebene. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976.
  • Hans Waldmanns Abenteuer. Sämtliche Moritaten von Raoul Tranchirer. Zürich: Haffmans 1985.
  • Mehrere Männer. Zweiundachtzig ziemlich kurze Geschichten, zwölf Collagen und eine längere Reise. Darmstadt/Neuwied: Luchterhand 1987.
  • Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke aus Nord-Amerika. Frankfurt a.M.: Schöffling 2000.
  • Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser & ihre überschaubaren Folgen. Frankfurt a.M.: Anabas 2002.

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